Umschuldung
Das derzeitig historisch günstige Zinsumfeld lädt geradezu zur Umschuldung alter Kredite und Darlehen ein, die – je nach Zeitpunkt des Vertragsabschlusses – aus Sicht der Kreditnehmer mit weitaus ungünstigeren Konditionen ausgestattet sein können. Doch wieso ist das Zinsumfeld derart günstig und wie sehen die weiteren Aussichten aus? Diese und weitere Fragen sollen in den folgenden Zeilen geklärt werden.
Der Weg ins günstige Zinsumfeld nahm seinen Anfang mit dem Platzen der Immobilienblase in den Vereinigten Staaten von Amerika im Jahr 2007. Damals musste die HSBC als erste Bank überhaupt einräumen, dass ihr Portfolio einen enormen Abschreibungsbedarf beherbergt. Schnell waren auch andere Banken betroffen und die ersten Immobilienfinanzierer mussten Insolvenz anmelden. Als die Finanzkrise dann mit dem Kollaps von Lehman Brothers im Jahr 2008 auf die Realwirtschaft übersprang und eine globale Rezession auslöste, sahen sich die Zentralbanken weltweit gezwungen die Leitzinsen massiv zu senken, um der Wirtschaft mit günstigen Krediten unter die Arme greifen zu können. So senkte das amerikanische FED seine Leitzinsen auf ein Zinsband von 0 % bis 0,25 %, während die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins von 4,25 % auf nunmehr 1 % senkte. Die niedrigen Leitzinsen wirkten sich natürlich auch direkt auf die Konditionen für Kredite an Privatpersonen aus. Soviel zum historischen Hintergrund.
Als Nächstes soll der Begriff der Umschuldung näher beleuchtet werden. Unter Umschuldung wird die Begründung einer neuen Schuld (Aufnahme eines neuen Kredites) zur Begleichung einer bereits bestehenden Schuld (in bereits abgeschlossener Kredit) verstanden. In einem aus Sicht des jeweiligen Kreditnehmers günstigeren Zinsumfeld, kann der Kreditnehmer durch Ablösung der bereits bestehenden Schuld, Zinskosten einsparen. Allerdings muss der Kreditvertrag über die bestehende Schuld, die Möglichkeit einer vorzeitigen Kreditablösung beinhalten. Aus diesem Grund sollte der Kreditnehmer beim Abschluss jedes Kreditvertrages darauf bestehen, dass in dem jeweiligen Kreditvertrag eine Klausel eingebracht wird, die es dem Kreditnehmer erlaubt, den gesamten Kredit an die Bank vorzeitig rückführen zu können. Die meisten Banken verlangen für die vorzeitige Ablösung des Kredites Gebühren in oft nicht unerheblichem Maße, so dass eine Umschuldung oftmals nur dann Sinn macht, wenn die Restschuld entsprechend hoch ist und die aktuellen Zinsen deutlich unter denen aus dem Kreditvertrag liegen.
Eine Umschuldung kann aber auch unabhängig vom Zinsumfeld Sinn machen, wenn sich bspw. die Bonität des Kreditnehmers entscheidend verbessert hat. Auch hier wird der Kreditnehmer einen neuen Kredit zu wesentlich besseren Konditionen erhalten und so durch eine Umschuldung bares Geld einsparen können. Aber auch hier bleibt die Höhe etwaiger Umschuldungsgebühren zu berücksichtigen.

